Verlegung des Firmensitzes

Der Firmensitz einer Gesellschaft kann einerseits deren satzungsmäßigen Sitz, aber auch den Sitz der tatsächlichen Geschäftsleitung der Gesellschaft bezeichnen, d. h. den Ort, an dem die strategischen Entscheidungen der Gesellschaft getroffen werden.

Die Verlegung des Sitzes einer französischen Gesellschaft ins Ausland stellt daher in erster Linie eine strategische und rechtliche Entscheidung dar, die jedoch auch steuerliche Folgen hat und von daher gut geplant sein muss.

Auch wenn die Verlegung des Firmensitzes im Grundsatz kein steuerpflichtiger Vorgang ist, wird der Vorgang steuerpflichtig, wenn er mit der Übertragung von Vermögenswerten einhergeht.
Wichtig ist auch die Frage, ob eine solche Verlegung innerhalb oder außerhalb der Europäischen Union erfolgt.

Wegzugbesteuerung (Exit Tax)

Werden keine Vermögenswerte übertragen, gilt die Verlegung des Firmensitzes hinsichtlich der Körperschaftsteuer als steuerlich neutraler Vorgang.

Erfolgt gleichzeitig mit der Verlegung eine Übertragung von Vermögenswerten, fällt Körperschaftsteuer auf die ermittelten nicht abgeschöpften Kapitalgewinne in Bezug auf die übertragenen Positionen des Anlagevermögens sowie auf die Kapitalgewinne an, bei denen die Steuerpflicht ausgesetzt ist oder eine zeitlich versetzte Besteuerung erfolgt.

Eine abgemilderte Besteuerungsform kann jedoch zur Anwendung kommen, wenn der Firmensitz von Frankreich in ein anderes EU-Mitgliedsland verlegt wird.

Bei der Besteuerung der Kapitalgewinne hinsichtlich der übertragenen Positionen des Anlagevermögens gleichzeitig mit der Verlegung des Firmensitzes ist eine Staffelung möglich, sofern das Land, in das der Firmensitz verlegt wird, ein EU-Mitgliedsland ist.

Der genaue Umfang der Verlegung sollte genaustens geprüft werden, um alle damit verbundenen steuerlichen Folgen absehen zu können. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Verlegung einer reinen Holdinggesellschaft, die über keine Mitarbeiter oder Büroräume verfügt, dennoch als Verlegung des Firmensitzes mit gleichzeitiger Übertragung von Vermögenswerten gilt.

Wie werden die Gewinne im Geschäftsjahr der Verlegung des Firmensitzes besteuert?

Für Gewinne gilt keine Staffelungsoption innerhalb der EU, wie sie für Kapitalgewinne bei Positionen des Anlagevermögens vorgesehen ist.

Hinsichtlich der Besteuerung von Gewinnen muss zwischen zwei Szenarien unterschieden werden:

  • Parallel zur Verlegung des Firmensitzes wird ein Teil der Vermögenswerte übertragen
  • Parallel zur Verlegung des Firmensitzes werden alle Vermögenswerte übertragen

Wird ein Teil der Vermögenswerte übertragen, endet die Körperschaftsteuerpflicht in Frankreich insoweit nicht, als ein Teil der Geschäftstätigkeit aufrechterhalten wird. Somit können die Gewinne aus dem Geschäftsjahr der Verlegung dort zu den Bedingungen des Gemeinschaftsrechts besteuert werden.

Durch die vollständige Übertragung der Vermögenswerte wird hingegen die Körperschaftsteuerpflicht in Frankreich beendet. In diesen Fall werden die Gewinne aus dem Geschäftsjahr, in dem die Übertragung des Firmensitzes erfolgt, sofort steuerpflichtig.

Die Frage von eventuell zum Zeitpunkt der Verlegung bestehenden Verlusten ist für den Fall einer teilweisen Übertragung, die eine Änderung der Geschäftstätigkeit darstellen könnte, genau zu prüfen, jedoch auch bei einer vollständigen Übertragung, durch die die Körperschaftsteuerpflicht in Frankreich endet.

Darüber hinaus bewirkt die sofortige Besteuerung der Gewinne im Falle einer nicht mehr bestehenden Körperschaftsteuerpflicht eine Besteuerung der Gewinne auf Ebene der Gesellschafter, soweit diese Gewinne als ausgeschüttet gelten. Aber auch hier gelten abgemilderte Vorschriften im Falle einer Verlegung des Firmensitzes innerhalb der Europäischen Union.

Vorab zu klärende Fragen

Weitere Fragen, die bei einer geplanten Verlegung des Firmensitzes vorab zu klären sind, beziehen sich auf die im Zielland geltenden steuerlichen Vorschriften:

  • Wie hoch wird der anerkannte steuerliche Wert der übertragenen Vermögenswerte sein?
  • Was geschieht mit den Verlusten der Gesellschaft, deren Firmensitz verlegt wird?
  • Wie sieht die Besteuerung einer Gesellschaft aus, für die im Herkunftsland und Zielland unterschiedliche steuerliche Vorschriften gelten?